Die BBC stellt BBC Radio 4 Extra ein. Die Ankündigung ist Teil des Sparprogramms des britischen öffentlich-rechtlichen Senders, der 500 Millionen Pfund in zwei Jahren einsparen muss und den Abbau von 1.800 bis 2.000 Stellen plant. Der Sender verschwindet aus dem Äther, ein Teil seiner Sendungen bleibt aber in der App BBC Sounds abrufbar. Gleichzeitig werden die Fernsehsender BBC Three und BBC Scotland zu reinen Online-Angeboten.
Ein Sender, der vom Katalog lebt
Radio 4 Extra ist vor allem ein Archivprogramm. Es wiederholt Comedy, Hörspiele und Dokumentationen von BBC Radio 4, teils mehrere Jahre alt. Der Fall steht für eine alte Debatte: Hat ein linearer Strom aus Wiederholungen noch seinen Platz, wenn der gesamte Katalog auf Abruf verfügbar ist? Für Generaldirektor Matt Brittin bleibt ein Großteil dieser Inhalte dort, wo das Publikum sie ohnehin schon hört, nämlich in iPlayer und Sounds.
Eine Sendung zeigt, worum es geht: der Daily Service, ein Gottesdienst, den die BBC seit 1928 ausstrahlt. 1991 wurde er auf die Langwelle verlegt, 2024 wanderte er zu Radio 4 Extra, als der eigene Langwellen-Sendeplan endete. Künftig läuft er auf BBC Sounds und im BBC Local Radio.

Eine umstrittene Einsparung
In seinem Newsletter bezweifelt der Berater James Cridland den finanziellen Nutzen. Der Sender läuft über Infrastruktur, die der BBC ohnehin gehört: ihren eigenen DAB-Multiplex, ihre Satellitenkapazität und ihr Streaming. Die Ansagen zwischen den Sendungen nimmt vorhandenes Personal vorab auf. Seiner Ansicht nach spart die Schließung so gut wie nichts. Ein Autor der Radio Times nennt sie sogar einen schrecklichen Fehler und betont den Wert des linearen Radios.
Der Privatsender Boom Radio nutzte die Gelegenheit: Er würde die von Radio 4 Extra frei werdende DAB-Kapazität gern übernehmen und dafür den Marktpreis zahlen.
Eine weitere bemerkenswerte Änderung: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stellt die Radio-Nachrichtenredaktion des BBC World Service in London den 24-Stunden-Betrieb ein. Die Nachtnachrichten, die auch Radio 2, Radio 4, 5 Live und das Local Radio übernehmen, kommen künftig aus einer neuen Redaktion in Sydney, Australien.
Was das für Webradios bedeutet
Die Entscheidung sendet ein zwiespältiges Signal an Online-Anbieter. Einerseits hält ein großer öffentlich-rechtlicher Sender einen Katalog auch ohne durchgehendes Programm für tragfähig. Andererseits betonen Kritiker, dass ein gut programmierter linearer Kanal etwas bietet, was eine App nicht leistet: Hören ohne Aufwand, ohne auswählen zu müssen.
Für dein Webradio ergeben sich daraus einige Lehren:
- Ein Spartenprogramm behält sein Publikum: Hörer, die an einem Hörspiel- oder Archivsender hängen, verlieren gerade ihre Gewohnheit. Ein kuratiertes Nischenprogramm bedient dieses Bedürfnis, und das online zu überschaubaren Verbreitungskosten.
- Wiederholungen haben Wert: Wenn du ein gut geordnetes Sendungsarchiv hast, kann es neben deinen Podcasts einen zweiten Streamkanal speisen.
- Linear und On-Demand ergänzen sich: Biete Livestream und Nachhören an, statt das eine durch das andere zu ersetzen, dann erreichst du beide Hörgewohnheiten.
Ein Trend, den du beobachten solltest
Die Schließung von Radio 4 Extra reiht sich in weitere Einstellungen von Spartensendern in Europa ein. Wenn große Anbieter sich aus Kostengründen aus bestimmten Nischen zurückziehen, bleiben Hörer ohne Angebot zurück. Wendige Webradios, die schnell und günstig einen Spartenstream starten können, sind gut aufgestellt, um sie aufzufangen, vorausgesetzt, sie sind in Verzeichnissen, Apps und auf smarten Lautsprechern leicht zu finden.
Quelle: Radioszene