Eine Edison-Studie mit Fokus auf E-Auto-Fahrer
Autohersteller fragen sich immer wieder, ob Radio in einem Elektrofahrzeug noch seinen Platz hat. Edison Research liefert mit der jüngsten Welle der Studie „Share of Ear“ zum dritten Quartal 2026 eine Antwort in Zahlen. Laut dieser US-Studie entfallen 42 Prozent der Audio-Nutzungszeit im Auto bei Amerikanerinnen und Amerikanern ab 13 Jahren, deren Hauptfahrzeug ein Elektroauto ist, auf AM/FM-Radio – Online-Streams der Sender eingeschlossen. Damit ist Radio für diese Zielgruppe die wichtigste Audioquelle an Bord.
Zum Vergleich: In der gesamten US-Bevölkerung ab 13 Jahren erreicht der Anteil von AM/FM-Radio im Auto 53 Prozent. Der Abstand ist real, doch Radio liegt in beiden Fällen vorn. Edison weist darauf hin, dass die Ergebnisse zu Elektrofahrzeugen auf 160 Befragten beruhen – eine überschaubare Stichprobe, weshalb die Zahlen eher als Trend denn als endgültige Messung zu lesen sind.

Streaming und Podcasts legen im E-Auto zu
Fahrerinnen, Fahrer und Mitfahrende in Elektroautos hören etwas anders. Musikstreaming liegt mit 22 Prozent der Hörzeit im Auto auf Platz zwei, gegenüber 17 Prozent bei allen Hörern. SiriusXM, das US-Satellitenradio, steigt von 16 auf 20 Prozent. Und der Anteil von Podcasts an der Hörzeit im Auto ist in dieser Gruppe doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Das Auto bleibt ein zentraler Ort für Audio: Laut Edison entfällt mehr als ein Viertel der täglichen Audio-Hörzeit darauf, im Schnitt eine Stunde und vier Minuten pro Tag.
Ein angespanntes politisches Umfeld rund ums Autoradio
Die Daten erscheinen, während in den USA die Debatte über Radio im Fahrzeug weitergeht. Der Gesetzentwurf „AM Radio for Every Vehicle Act“ wurde im September vom Repräsentantenhaus verabschiedet (H.R. 979) und liegt nun beim Senat, wo der entsprechende Entwurf (S. 315) mehr als 60 Unterstützer aus beiden Parteien hat. Mehrere Akteure aus der Autobranche sind dagegen: Die Lobby-Meldungen des dritten Quartals nennen unter anderem Tesla (650.000 Dollar) und Lucid USA (80.000 Dollar), als Teil einer Gruppe von Gegnern, die im Zeitraum rund 6,3 Millionen Dollar ausgab.
In der Praxis verzichten manche E-Modelle bereits auf den Tuner: Der Rivian R2 kam ohne Radioempfänger und Antenne auf den Markt, und Tesla hat das terrestrische Radio aus Model 3 und Model Y in der Standard-Version entfernt. Dabei zeigt eine Studie von Critical Mass Insights, dass 96 Prozent der Amerikaner ein eingebautes Radio in einem Neuwagen für wichtig halten und 89 Prozent ohne Radio wahrscheinlich auf den Kauf verzichten würden.
Was das für Webradios bedeutet
Der entscheidende Punkt für Webradio-Macher steckt in einem methodischen Detail: Edison rechnet die Online-Streams der AM/FM-Sender dem Radioanteil zu. Anders gesagt: Wenn der Tuner verschwindet, endet das Radiohören nicht zwingend – es kann ins Streaming wandern, über die Fahrzeug-App, das Smartphone oder vernetzte Systeme. Genau das ist das Terrain der Webradios.
- Sei im Cockpit präsent: Die Kompatibilität mit Android Auto, Apple CarPlay und den im Auto integrierten Aggregatoren wird zur zentralen Frage der Sichtbarkeit.
- Pflege deinen Stream: Ein stabiler Stream mit einer für Mobilfunknetze passenden Bitrate entscheidet über das Hören unterwegs.
- Denk an Podcasts: Der doppelt so hohe Podcast-Anteil bei E-Auto-Fahrern spricht dafür, deine Sendungen auch auf Abruf anzubieten.
- Zeig saubere Metadaten: Sendername, Logo und aktueller Titel machen deinen Sender auf den Bildschirmen im Auto leichter auffindbar.
Auch ohne UKW-Antenne hat ein gut gelistetes Radio, das sich mit einem Fingertipp vom Display starten lässt, beste Chancen, die wichtigste Hörquelle im Auto zu bleiben.
Quelle : Radio Ink