Ein Sounddesign, das sich der Tonart jedes Titels anpasst

Der Sender 80s80s, der sich den Hits der 1980er widmet und zur REGIOCAST-Gruppe gehört, erweitert seinen Markensound. Er setzt auf KEYZ, ein Konzept der Berliner Agentur WOW! Radiobranding. Das Prinzip lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Für jede mögliche Tonart eines Songs gibt es einen Jingle in genau dieser Tonart. Steht das Element direkt vor einem Titel, passt es also harmonisch zu ihm, und beim Übergang entsteht kein Bruch.

Ziel ist ein durchgehender Fluss, in dem die kurzen, energiegeladenen Elemente mit dem folgenden Song verschmelzen, statt ihn zu unterbrechen. Die Titel gehen nahtlos ineinander über, und die Agentur spricht von „Flow“, um dieses Gefühl eines Programms ohne Holpern zu beschreiben.

Studiokopfhörer vor einem Bildschirm mit zwei ineinander überblendenden Audio-Wellenformen

Ein Rezept, das sich bei 90s90s bewährt hat

80s80s ist nicht der erste Sender, der davon profitiert. Das Konzept hat sich zunächst bei 90s90s, dem Sender für die 1990er, und bei weiteren Programmen bewährt. Sebastian Voigt, Programmdirektor Digital bei REGIOCAST, erklärt, dass der Erfolg bei 90s90s die Gruppe schnell davon überzeugt hat, auch 80s80s diesen Flow zu geben. Aus seiner Sicht übertrifft das Ergebnis die Erwartungen und macht beim Hören viel Spaß.

Einfach kopiert wurde das Sounddesign aber nicht. WOW! Radiobranding hat das Konzept komplett neu produziert und auf den Sound der 80er zugeschnitten. Creative Director Christopher Finke betont, dass KEYZ kein Baukasten ist, den man unverändert auf den nächsten Sender überträgt. Neben der Herausforderung, viele Elemente in verschiedenen Tonarten zu produzieren, ging es darum, den ikonischen Markensound trotz der extremen Kürze der Jingles zu transportieren, mit authentischen Zitaten aus der Wave-, Synthiepop-, Disco- und Hip-Hop-Welt des Jahrzehnts.

Warum das Thema Webradios direkt betrifft

In einem Musik-Webradio ist das Sounddesign oft die einzige „Stimme“ des Senders zwischen zwei Songs. Ein Jingle, dessen Tonart sich mit dem folgenden Titel beißt, erzeugt einen hörbaren Bruch, der bei Themenformaten besonders stört, denn dort suchen die Hörer eine durchgehende Stimmung. Der harmonische Ansatz von KEYZ setzt genau hier an.

  • Technik: Das System setzt voraus, dass du die Tonart jedes Titels in deiner Playlist kennst. Audio-Analysetools, wie sie beim DJ-Mixing üblich sind, können diese Information erkennen, sodass du sie im Datensatz jedes Songs in deiner Sendesoftware hinterlegen kannst.
  • Produktion: Derselbe Jingle muss in mehreren Tonarten produziert werden. Das ist aufwendiger als ein klassisches Paket, lässt sich aber auf die Elemente beschränken, die direkt vor Songs laufen.
  • Marke: Das Beispiel 80s80s zeigt, dass Wiedererkennung über Klänge entsteht, die die Musikwelt des Senders aufgreifen, und nicht nur über die Wiederholung des Namens.

Übergänge als neues Programmargument

Zu den Kunden der Berliner Agentur WOW! Radiobranding zählen weitere Marken wie kronehit in Österreich, N-JOY vom NDR, RADIO BOB!, SUNSHINE LIVE und RADIO 7. Dass KEYZ nach 90s90s nun auch bei 80s80s läuft, zeigt: Sorgfältig gestaltete Übergänge werden zu einer echten Programmentscheidung, genauso wie die Musikauswahl selbst.

Betreibst du ein unabhängiges Webradio ohne Agenturbudget, kannst du die Idee im Kleinen umsetzen: Schon ein paar Jingles in den Tonarten, die in deiner Playlist am häufigsten vorkommen, machen dein Programm flüssiger und wiedererkennbarer.

Quelle : RadioSzene