YouTube baut den Vorsprung aus
In den USA hat der Kampf der Podcast-Plattformen inzwischen einen klaren Sieger. Laut den Podcast Metrics von Edison Research, erhoben mit SSRS für das dritte Quartal 2026, nennen 40 % der wöchentlichen Podcast-Nutzer ab 13 Jahren YouTube als den Dienst, den sie am häufigsten zum Hören oder Anschauen von Podcasts verwenden.
Spotify folgt auf Platz zwei mit 17 %, Apple Podcasts auf Platz drei mit 9 %. Der Abstand ist enorm: YouTube hat mehr als doppelt so viele Hauptnutzer wie Spotify und mehr als viermal so viele wie Apple Podcasts.

Eine Landschaft, die sich in zwei Jahren völlig verändert hat
Der Vergleich mit einer früheren Edison-Erhebung zeigt, wie schnell der Umbruch ging. Im Oktober 2024 lag YouTube zwar schon vorn, aber mit 31 %, gegenüber 27 % für Spotify und 15 % für Apple Podcasts. In zwei Jahren hat YouTube also neun Punkte gewonnen, während Spotify zehn und Apple Podcasts sechs verloren haben.
Edison betont, dass das wachsende Podcast-Angebot auf YouTube das gesamte Ökosystem umgekrempelt hat. Ein Podcast ist nicht mehr nur eine Audiodatei, die man in einer eigenen App herunterlädt: Er wird immer öfter zu einem Video, das man anschaut oder im Hintergrund laufen lässt – auf einer Plattform für alles.
Netflix steigt ins Rennen ein
Eine weitere Erkenntnis des Quartals: Netflix taucht jetzt im Ranking auf. Der Streamingdienst landet auf Platz sieben, 3 % der wöchentlichen Podcast-Nutzer nennen ihn als ihre wichtigste Podcast-Plattform. Edison stellt klar, dass die Zahl nur Menschen erfasst, die Netflix als Hauptdienst nutzen, und nicht die gesamte Podcast-Nutzung auf Netflix abbildet.
Der Einstieg eines Players aus der Videowelt bestätigt den grundlegenden Trend: Video-first-Plattformen gewinnen an Boden, und Dienste, die traditionell auf Audio ausgerichtet sind, geraten unter Anpassungsdruck.
Was das für dein Webradio bedeutet
Die Zahlen beziehen sich auf den US-Markt, sie kündigen aber Entwicklungen an, auf die du dich auch hierzulande besser früh einstellst:
- Sieh YouTube als Verbreitungskanal: Wenn du deine wichtigsten Sendungen, Rubriken oder Interviews als Video veröffentlichst, oder zumindest mit einem Standbild, erreichst du das Publikum dort, wo es sich ohnehin aufhält.
- Film dein Studio: Oft reicht eine einzige Kamera im Studio, um aus einer Sendung ein Videoformat zu machen, ohne dass du auf dein Radio-Know-how verzichten musst.
- Vernachlässige die Audio-Plattformen nicht: Spotify und Apple Podcasts bleiben wichtige Zugänge, und das Live-Hören deines Webradios folgt seiner eigenen Logik.
- Kümmere dich um die Auffindbarkeit: Auf einer Plattform, auf der der Algorithmus entscheidet, zählen Titel, Thumbnails und Beschreibungen fast so viel wie der Inhalt selbst.
Für dein Webradio geht es nicht darum, zum Videokanal zu werden, sondern Podcasts und Videos zu Eingangstüren für deinen Livestream zu machen. Wer eine Sendung auf YouTube entdeckt, kann danach bei dir live einschalten – vorausgesetzt, der Weg zum Player ist in jedem Video klar ausgeschildert.