Der spezialisierte Vermarkter Acast hat die französische Ausgabe seiner jährlichen Studie Podcast Pulse 2026 veröffentlicht. Befragt wurden 300 Personen zwischen 16 und 64 Jahren, und ein Ergebnis sticht heraus: Podcast-Creator sind demnach inzwischen die Meinungsmacher, denen das französische Publikum am meisten vertraut. Das betrifft auch dich als Webradio-Moderator oder -Betreiber, denn auch dein Erfolg beruht auf einer persönlichen Beziehung zu den Hörern.
Deutlich wachsendes Vertrauen
Laut der Umfrage vertrauen 48 % der Franzosen den Empfehlungen von Podcastern, zehn Prozentpunkte mehr als 2025. Damit liegen sie vor Journalisten, YouTubern und Influencern. Die Überzeugungskraft scheint real: 86 % der wöchentlichen Hörer geben an, ihre Meinung zu einem Thema schon einmal nach einem Podcast geändert zu haben.
Das Format genießt zudem ein authentisches Image. 58 % der Befragten sehen darin einen der letzten Medienräume, die noch echt und menschlich wirken. Für Greg Glenday, CEO von Acast, denkt das Publikum nicht in Plattformen oder Formaten, sondern bindet sich an einen Creator und folgt ihm überallhin.

Audio und Video sind keine Gegensätze mehr
Die Studie bestätigt, dass die Grenze zwischen Hören und Schauen verschwimmt. 82 % der Franzosen nutzen sowohl Audio als auch Video, und 78 % haben schon einmal eine Folge in einem Format begonnen und in einem anderen beendet. Soziale Netzwerke sind dabei der rote Faden: Neun von zehn Personen folgen ihren Lieblings-Podcastern dort.
Acast unterscheidet vier Hörmomente mit unterschiedlichem Verhalten:
- Der Begleiter: unterwegs, beim Sport oder im Haushalt, ein Moment direkter Aufmerksamkeit ohne Bildschirm.
- Die Entspannung: eine Zeit, in der Bildschirme und Video dominieren.
- Der Scroll: In sozialen Netzwerken dienen Ausschnitte als Einstieg, denn 63 % derjenigen, die sie sehen, hören anschließend die ganze Folge.
- Das Live-Erlebnis: 51 % der Besucher einer Live-Aufzeichnung finden, dass es ihre Bindung an den Creator stärkt.
Ein starkes Argument für Werbekunden
Die Studie beziffert auch den Nutzen von Kampagnen, die mehrere Formate kombinieren. Ein Video, gefolgt von einer Audio-Erinnerung, soll 51 % mehr Kaufabsicht erzeugen als eine Kampagne in nur einem Format. Wird die Botschaft über verschiedene Formate wiederholt, verdoppelt sich die Kaufabsicht und die Markenerinnerung vervierfacht sich, ohne dass Ermüdung entsteht. 88 % der Befragten halten diesen Ansatz für wirksamer und legitimer.
Was das für Webradios bedeutet
Auch wenn es um Podcasts geht, lassen sich die Ergebnisse weitgehend auf Online-Radio übertragen. Vertrauen entsteht durch Menschen, nicht durch Verbreitungswege. Einige Ansätze für dein Webradio:
- Stell die Stimmen deines Senders in den Vordergrund: Moderatoren und Beitragende sind das wichtigste Kapital eines Webradios und sollten auf allen Kanälen präsent sein.
- Verlängere die Live-Sendung als Podcast und Video: Mit gut geschnittenen Highlights erreichst du das „Scroll"-Publikum und holst es zurück in den Stream.
- Organisiere Live-Momente: Außenübertragungen oder gefilmte Live-Sendungen stärken die Nähe zur Community.
- Biete kombinierte Werbepakete an: Audio-Spot, Videoversion und Social-Media-Präsenz zusammen entsprechen den in der Studie beschriebenen Erwartungen der Werbekunden.
Für ein unabhängiges Webradio zählt weniger die Größe des Publikums als die Qualität der Bindung. Die Acast-Studie erinnert daran, dass diese Bindung, wenn sie aufrichtig ist und über mehrere Formate gepflegt wird, zu einem echten redaktionellen und kommerziellen Vorteil wird.
Quelle: The Media Leader FR