Die RAJAR-Zahlen für das dritte Quartal 2026, veröffentlicht am 29. Oktober, bestätigen einen Trend, den Webradio-Macher genau verfolgen: Radio wurde in Großbritannien noch nie so viel gehört, und ein immer größerer Teil davon läuft übers Internet. Mit 51 Millionen Menschen, die jede Woche einschalten, stellt das Medium einen neuen Rekord auf, ein Plus von 2 % im Vergleich zum Vorjahr.

Online-Hören zieht klar an UKW und MW vorbei

Die aufschlussreichste Zahl für die Streaming-Branche ist die Verteilung auf die Empfangswege. Online-Hören macht inzwischen 30,8 % der gesamten Radionutzung aus, nach 29,7 % im dritten Quartal 2025. Damit liegt es deutlich vor dem analogen Empfang über AM/FM, der nur noch 23,6 % ausmacht.

Smart Speaker spielen bei dieser Entwicklung eine zentrale Rolle: Allein auf sie entfallen 18,7 % der gesamten Radionutzung im Land. Fast jede fünfte Hörminute läuft also über ein sprachgesteuertes Gerät.

Auch auf Ebene der Sendergruppen ist der Trend sichtbar. Bei News Broadcasting, zu dem unter anderem talkSPORT, Times Radio und Virgin Radio UK gehören, findet bereits 87 % der Nutzung auf digitalen Plattformen statt.

Hände halten ein Smartphone mit einer Audio-Wellenform, daneben liegen Kopfhörer auf einem Sofa

Digitale Spartensender legen kräftig zu

Eine weitere Erkenntnis des Quartals: Thematische Ableger, die ausschließlich digital verbreitet werden, gewinnen weiter an Boden. Mehrere von ihnen erzielen Bestwerte:

  • Classic FM Calm: 465.000 Hörer pro Woche, ein Plus von 30 % gegenüber dem Vorquartal;
  • Radio X Chilled: plus 46 % auf 162.000 Hörer, die Hörstunden haben sich mehr als vervierfacht (von 98.000 auf 408.000);
  • Smooth Soul: plus 40 % auf 278.000 Hörer, auch wenn die durchschnittliche Hördauer von 4,7 auf 3,2 Stunden sinkt;
  • Radio 1 Anthems (BBC): 700.000 Hörer nach 620.000 im Vorquartal;
  • Greatest Hits Radio 80s: Rekord mit 644.000 Hörern, plus 12,6 % im Jahresvergleich.

Bei Bauer erreichen auch Hits Radio 90s und Hits Radio 00s ihre bisher höchsten Werte, mit einem Jahresplus von 31 % beziehungsweise 33 %. Global meldet seinerseits, dass sieben seiner Digitalsender ihren Reichweitenrekord gebrochen haben.

Treue zählt genauso viel wie Reichweite

Das Quartal zeigt außerdem, dass die Hördauer selbst dann steigen kann, wenn die Reichweite sinkt. BBC Local Radio in England verliert 5,7 % Wochenreichweite (von 4,690 auf 4,425 Millionen Hörer), die Hörstunden steigen aber leicht von 32,5 auf 32,6 Millionen. GB News Radio verliert 99.000 Hörer, kommt aber auf 5,5 Millionen wöchentliche Hörstunden, den höchsten Wert seiner Geschichte, bei einem Rekordschnitt von 8,7 Stunden pro Hörer.

Bei den großen Marken bleibt Heart mit mehr als 13 Millionen Hörern pro Woche die größte Radiomarke des Landes, BBC Radio 2 mit 12,7 Millionen der meistgehörte Einzelsender. Der gemeinsame Marktanteil der BBC rutscht allerdings von 42,6 % auf 41,9 %.

Was das für dein Webradio bedeutet

Die britischen Zahlen werden in ganz Europa aufmerksam verfolgt und senden einige klare Signale an Online-Radiomacher:

  • Dein Stream ist kein Nebenkanal mehr: Wenn fast ein Drittel der Nutzung übers Netz läuft, werden Qualität, Stabilität und Verfügbarkeit deines Streams auf allen Plattformen zur redaktionellen wie technischen Priorität.
  • Smart Speaker sind Pflicht: Wenn dein Sender per Sprachbefehl leicht zu finden ist und einen gut aussprechbaren Namen hat, ist das ein echter Reichweitenhebel.
  • Die Nische funktioniert: Der Erfolg von Jahrzehnt-, Stimmungs- und Genre-Ablegern zeigt, dass ein klar zugeschnittenes Format auch ohne UKW-Sender ein treues Publikum aufbauen kann.
  • Hördauer ist eine Schlüsselgröße: Deine Hörer zu halten kann genauso viel zählen wie neue zu gewinnen, gerade im Gespräch mit Werbekunden.

Für unabhängige Webradios ist die Botschaft ermutigend: Das Publikum wandert genau zu den Ausspielwegen, auf denen sie von Haus aus zu Hause sind.

Quelle: RadioToday