Der Podcast hat in Australien eine symbolische Marke überschritten. Laut der Studie PodPoll 26, die am 19. Oktober 2026 von der Produktionsfirma Deadset Studios und dem Marktforschungsinstitut Insightfully veröffentlicht wurde, nutzen inzwischen 50 % der Australier ab 15 Jahren, also 10,3 Millionen Menschen, mindestens einmal im Monat Podcasts. Die Studie ist weit über Australien hinaus interessant, denn sie beleuchtet Fragen, die sich auch Anbieter in anderen Ländern stellen: Wer hört zu, auf welcher Plattform und mit wie viel Vertrauen?

Stetiges Wachstum, getragen von unerwarteten Zielgruppen

Der Anstieg hält seit drei Jahren an: 39 % im Jahr 2024, 47 % im Jahr 2025 und nun 50 %. Podcasts sind zudem die am schnellsten wachsende Audiokategorie, die die Umfrage erfasst. Doch das Wachstum ist ungleich verteilt:

  • 71 % der Millennials sind regelmäßige Nutzer;
  • bei Männern zwischen 35 und 54 Jahren stieg der Anteil innerhalb nur eines Jahres von 59 % auf 71 %.

Kellie Riordan, Direktorin von Deadset Studios, rät Werbetreibenden und Produzenten, sich von der gängigen Vorstellung zu lösen, Podcasts seien vor allem etwas für junge Hörer.

Podcast-Aufnahmestudio mit zwei Mikrofonen und einem Mischpult

Video wächst, aber das Ohr bleibt vorn

Die meistdiskutierte Zahl betrifft YouTube: Unter den regelmäßigen Nutzern stieg sein Anteil am Podcast-Konsum binnen eines Jahres von 44 % auf 55 %. Und jeder zehnte Nutzer gibt inzwischen an, Podcasts eher zu schauen als zu hören. Trotzdem relativiert die Studie den Wechsel zum Bild deutlich:

  • 60 % der regelmäßigen Nutzer hören nach wie vor lieber zu, als zuzuschauen;
  • 70 % suchen gezielt nach Podcasts, weil sie keinen Bildschirm brauchen.

Für Deadset Studios birgt eine reine Video-Strategie das Risiko, ein großes, treues und bildschirmmüdes Publikum zu verpassen.

Vertrauen und Handeln

Ein weiteres Ergebnis betrifft das Vertrauen. Unter den Podcast-Nutzern vertrauen 71 % diesem Medium – vor Radio (62 %), Fernsehen (57 %), YouTube (56 %) und sozialen Netzwerken (34 %). Leanne White, Geschäftsführerin von Insightfully, sieht darin den entscheidenden Vorteil des Formats, verbunden mit der Nähe, die Hörer zu den Stimmen aufbauen, die sie hören. Dieses Vertrauen führt zu Handlungen: 45 % der Hörer haben nach einem gehörten Thema online recherchiert, 19 % haben ein Produkt gekauft. Bei den Genres liegen True Crime, Nachrichten und Comedy vorn, doch Politik wächst am schnellsten.

Was das für dein Webradio bedeutet

Die australischen Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf andere Märkte übertragen, sie bestätigen aber Trends, die für Webradios nützlich sind:

  • Audio ohne Bildschirm bleibt ein Trumpf. Dein Webradio läuft beim Kochen, Autofahren oder Arbeiten – genau die Nutzung, die die befragten Hörer bevorzugen.
  • Mach aus deinen Sendungen Podcasts, um ein wachsendes Publikum zu erreichen, auch die 35- bis 54-Jährigen, oft die Kernzielgruppe des Radios.
  • Video ist eine Ergänzung, keine Pflicht. Eine gefilmte Version auf YouTube kann deine Reichweite vergrößern, ohne dass du auf ein sorgfältig produziertes Audioangebot verzichtest.
  • Vertrauen entsteht über die Stimme. Erkennbare Moderatoren, ein ehrlicher Ton und Regelmäßigkeit: Was den Podcast stark macht, schafft auch ein kleiner Online-Sender.

Kurz gesagt: Die Studie erinnert daran, dass hochwertige Audioinhalte ein stabiles Publikum behalten, auch wenn Videoplattformen in den Hörgewohnheiten immer wichtiger werden.

Quelle: Podnews