Zwei neue Sender im Westen Frankreichs

TDF, der Betreiber, der in Frankreich das digitale Antennenfernsehen ausstrahlt, hat am 8. Oktober 2026 zwei weitere Gebiete für seinen 5G-Broadcast-Versuch in Betrieb genommen. Die Sender stehen in Haute-Goulaine bei Nantes (Loire-Atlantique) und in Moustoir-Ac bei Vannes (Morbihan). Sie ergänzen die ersten vier Gebiete, die im Juni 2026 in Paris, Reims, Bourges und Le Havre gestartet sind. Damit umfasst der Test nun sechs Zonen.

In beiden Gebieten laufen die Programme der Projektpartner: die Sender von France Télévisions und NOVO19. Wie groß die Abdeckung genau ist und wie viele Menschen das Signal empfangen können, hat TDF nicht mitgeteilt.

Smartphone in der Hand auf einer Straße mit einem Live-Videoplayer, im Hintergrund ein Sendemast

Das Prinzip: ein Signal für alle

5G Broadcast überträgt die Logik des Antennenfernsehens auf mobile Geräte. Ein Sender strahlt einen einzigen Datenstrom aus, den alle kompatiblen Geräte im Gebiet gleichzeitig empfangen – ohne SIM-Karte, ohne WLAN und ohne dein Datenvolumen anzutasten. Ob tausend oder eine Million Menschen zuschauen oder zuhören, die Netzlast bleibt gleich.

Das ist das Gegenteil des klassischen Streamings, bei dem jede Zuschauerin und jeder Hörer eine eigene Verbindung zu einem Server aufbaut. Laut TDF soll die neue Phase zeigen, wie gut Empfang und Dienstkontinuität unter realen Bedingungen funktionieren, was ein breiterer Ausbau voraussetzen würde und welche weiteren Anwendungen möglich sind: Fernsehen, Information, aber auch Warnungen an die Bevölkerung. TDF-Geschäftsführer Karim El Naggar fasst das Ziel so zusammen: gemeinsam mit der gesamten Branche eine ergänzende, zugängliche und widerstandsfähige Lösung für die mobile Mediennutzung aufzubauen.

Das Nadelöhr bleibt das Smartphone

Ein laufender Sender allein reicht nicht: Du brauchst auch ein Handy, das das Signal entschlüsseln kann. Ein 5G-fähiges Gerät, selbst ein neues, ist nicht automatisch mit 5G Broadcast kompatibel, denn dafür sind spezielle Hardware- und Softwarekomponenten nötig. Bei früheren Tests nutzten die Teilnehmenden eigens ausgerüstete Smartphones. Die Ankündigung vom 8. Oktober nennt kein neues Gerät für den Massenmarkt. 2027 wurde zwar schon als Horizont für die ersten Endgeräte genannt, ein bestätigter Marktstart steht aber aus.

Für Nantes ist die Technik übrigens nicht neu: Während der Olympischen Spiele in Paris im Sommer 2024 empfingen Testpersonen dort mehrere Fernsehsender und Radioprogramme auf speziell konfigurierten Handys.

Was das für Webradios bedeutet

Kurzfristig ändert sich nichts: Der Versuch betrifft das Fernsehen, und kein handelsübliches Smartphone kann diese Ausstrahlungen bisher empfangen. Trotzdem solltest du als Audio-Anbieter das Thema im Blick behalten, aus mehreren Gründen.

  • Die Kosten der Reichweite. Ein Webradio bezahlt Bandbreite pro Hörer: Je größer das Publikum, desto höher die Verbreitungskosten. 5G Broadcast funktioniert umgekehrt, wie klassischer Rundfunk, mit festen Kosten unabhängig von der Zahl der Zuhörenden.
  • Der Zugang zu den Multiplexen. Wie bei DVB-T oder DAB+ wird der Platz in diesen Netzen begrenzt sein und über Sendernetzbetreiber vergeben. Große etablierte Medien dürften als Erste zum Zug kommen, was den Abstand zu reinen Online-Anbietern erhalten würde.
  • Der Kampf ums Handy. Das Smartphone ist das natürliche Terrain der Webradios. Können große Medien dort eines Tages kostenlosen Empfang ohne Datenverbrauch anbieten, haben sie ein Argument, mit dem Streaming nicht mithalten kann.
  • Die Ausfallsicherheit. Die von TDF betonte Warnfunktion zeigt, dass Broadcast-Verbreitung dafür gedacht ist, auch dann zu funktionieren, wenn Datennetze überlastet sind, etwa bei Großereignissen.

Für Webradios bleibt die Strategie also die Präsenz auf möglichst vielen Wegen: Apps, smarte Lautsprecher, Aggregatoren und, wenn die Mittel reichen, DAB+. 5G Broadcast könnte diese Liste eines Tages ergänzen; bis dahin liefern die sechs Testgebiete von TDF erste Hinweise darauf, ob die Technik tragfähig ist.

Quelle: The Media Leader FR

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