Am Rande der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, bestätigt die Studie „Die Zukunft des Hörens", die NielsenIQ im Auftrag von Audible durchgeführt hat, einen langfristigen Trend: Gesprochene Audioinhalte gewinnen weiter an Boden. Befragt wurden 18.000 Hörerinnen und Hörer in 11 Ländern zu Hörbüchern, Podcasts und Hörspielserien. Auch wenn es nicht direkt um Radio geht, sind die Ergebnisse für alle interessant, die Stimme online verbreiten, also auch für dich als Webradio-Macher.

Hören legt überall zu

Weltweit geben 34 % der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten mehr Audioinhalte konsumiert zu haben als im Jahr davor. Besonders stark ist der Anstieg in Brasilien (46 %) und Mexiko (44 %). In Frankreich betrifft das Plus 27 % der Hörer, die ihren Konsum innerhalb eines Jahres gesteigert haben.

Die am häufigsten genannte Hörsituation ist in fast allen Ländern weder das Auto noch der Nahverkehr, sondern das entspannte Hören zu Hause. Das solltest du im Kopf behalten, falls du Online-Hören bisher vor allem als Aktivität „unterwegs" betrachtest.

Kabellose Kopfhörer neben einem aufgeschlagenen Buch auf einem Holzschreibtisch

Audio als Alternative zum Bildschirm

Das ist wohl das aussagekräftigste Ergebnis der Studie. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) wählt bewusst Audio, um einen Teil der Freizeit vor dem Bildschirm zu ersetzen, und 47 % hören, um weniger Zeit in sozialen Netzwerken zu verbringen. Für Eltern ist bildschirmfreie Unterhaltung der wichtigste Grund, ihre Kinder zum Hören zu ermuntern.

In Frankreich ist dieses Argument noch stärker ausgeprägt: 55 % der Eltern nennen es als wichtigsten Vorteil für ihre Kinder, gegenüber 46 % weltweit. Zudem sind 52 % der Franzosen überzeugt, dass Audio ihr seelisches Wohlbefinden fördert, und 46 % nutzen es, um Stress und Ängste besser zu bewältigen.

Die menschliche Stimme bleibt ein entscheidender Trumpf

Zwar blicken 61 % der Franzosen begeistert auf die Zukunft von Audio, doch sie hängen an menschlichen Sprechern. 55 % wünschen sich ausschließlich menschliche Erzählstimmen, im Durchschnitt aller untersuchten Länder sind es 50 %. Unter den 45 %, die einer KI-generierten Stimme offen gegenüberstehen, wird vor allem Fiktion (48 %) als Genre genannt, um es auszuprobieren.

Die Studie zeigt außerdem, wie stark die Bindung an eine Stimme ist: 65 % der Hörbuchhörer suchen gezielt nach weiteren Werken, die von einem Sprecher gelesen werden, der sie überzeugt hat. Neue Inhalte entdecken die Befragten vor allem über soziale Netzwerke, dicht gefolgt von Mundpropaganda.

Was das für Webradios bedeutet

Die Zahlen beziehen sich auf gesprochenes Audio, beschreiben aber ein Publikum, das genau das sucht, was Radio bieten kann: bildschirmfreie Begleitung, die man zu Hause zum Entspannen hört. Daraus ergeben sich mehrere Ansätze für dein Webradio:

  • Das Hören zu Hause pflegen: Sei auf smarten Lautsprechern, TV-Apps und Computern präsent, nicht nur auf dem Smartphone.
  • Auf Persönlichkeit setzen: Eine wiedererkennbare Stimme schafft Treue, wie die Bindung der Hörer an ihre Lieblingssprecher zeigt.
  • KI mit Augenmaß einsetzen: Die Mehrheit der Franzosen bevorzugt eine menschliche Stimme. Synthetische Stimmen solltest du daher bewusst und transparent einsetzen.
  • An die Entdeckung denken: In sozialen Netzwerken geteilte Ausschnitte und Empfehlungen von Hörern bleiben die besten Hebel, um bekannt zu werden.

Gerade für thematische Webradios mit ruhigen Klangwelten, Lesungen oder Wortsendungen ist dieser Wunsch nach Abschalten eine echte Chance, sich als entspannende Alternative zur ständigen Bilderflut zu positionieren.

Quelle: IDBOOX

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