Die öffentlich-rechtliche Radiolandschaft in Deutschland wird weiter ausgedünnt. Der Bayerische Rundfunk (BR) hat angekündigt, dass sein Programm BR Schlager am 9. November 2026 um 18 Uhr eingestellt wird. Danach ist der Sender weder über DAB+ noch über seinen Livestream im Internet zu hören. Hinter der Entscheidung steckt kein mangelndes Interesse des Publikums, sondern eine gesetzliche Vorgabe – und sie wirft eine spannende Frage für alle auf, die ein Online-Radio betreiben.
Eine Abschaltung als Folge der Rundfunkreform
Das Aus für BR Schlager ist eine direkte Folge des Reformstaatsvertrags, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk neu regelt. Er verpflichtet die ARD, weniger Radioprogramme über Antenne zu verbreiten. Für den BR ist der Einschnitt deutlich: Nach Angaben des Senders sinkt die Zahl seiner Radiowellen von zehn auf sechs.
BR Schlager ist nicht das erste Programm, das wegfällt. In diesem Jahr wurden bereits mehrere Angebote beendet:
- BR Puls lief im Januar 2026 als lineares Programm aus;
- BR24 live, das unter anderem Bundestagsdebatten und Sportereignisse übertrug, wurde im Juni 2026 eingestellt;
- BR Verkehr, der automatisierte Verkehrskanal, verschwand zur selben Zeit.

Kein Weiterleben als Stream
Bemerkenswert: Der BR plant nicht, BR Schlager als Webradio weiterzuführen. Das eigenständige Programm fällt komplett weg, inklusive Livestream. Die Hörerinnen und Hörer werden auf die ARD Schlagerwelt verwiesen, einen Themenbereich der Audioplattform ARD Sounds.
Dort gibt es aktuelle Schlager, Neuerscheinungen und Klassiker sowie Nachrichten, Geschichten und Interviews rund um das Genre. Ausgewählte Inhalte und Stimmen von BR Schlager bleiben erhalten. Drei Formate laufen weiter: die „ARD Schlagerhitparade", die „ARD Schlagerparty" und die „ARD Showbühne". Die Nutzung ist kostenlos – über die ARD Sounds App für iOS und Android und, je nach Ausstattung, im Auto oder auf vernetzten Lautsprechern.
Was das für dein Webradio bedeutet
Der Fall zeigt einen grundlegenden Trend: Große öffentlich-rechtliche Anbieter verschlanken ihr Angebot und bündeln Spartenthemen lieber auf einer Plattform, statt eigene lineare Streams zu betreiben. Als unabhängiger Anbieter kannst du daraus einiges mitnehmen.
- Treue Hörer verlieren ihren gewohnten Sender. Wer ein durchgehendes Programm schätzt, ohne sich durch eine App klicken zu müssen, sucht womöglich nach einer Alternative. Webradios mit Schlager, Volksmusik oder deutschsprachigem Pop haben hier eine echte Chance.
- Der Livestream bleibt wertvoll. Einen Sender durch einen On-Demand-Katalog zu ersetzen, ist kein neutraler Schritt: „Einschalten und laufen lassen" ist nach wie vor eine starke Gewohnheit, gerade beim älteren Publikum, das in diesem Genre stark vertreten ist.
- Präsenz auf den Geräten zählt. Der BR weist selbst darauf hin, dass der Zugang im Auto oder auf dem Smart Speaker von der Ausstattung abhängt. Wenn dein Webradio in Verzeichnissen, Aggregatoren und bei Sprachassistenten gut gelistet ist, wirst du von diesen Hörern leichter gefunden.
Eine Nische, die sich lohnt – mit Plan
Die Abschaltung eines öffentlich-rechtlichen Senders schafft nicht automatisch Publikum für andere: Hörer wandern nicht geschlossen ab. Aber sie öffnet ein Fenster. Bis zum 9. November kannst du dein Programm schärfen, deinen Stream leicht auffindbar machen und auf das setzen, was Live-Radio ausmacht: menschliche Präsenz, ein klares Profil und durchgehendes Hören. Während sich die Institutionen auf Plattformen zurückziehen, behält das thematische Webradio seine ganz eigene Rolle.
Quelle : RADIOSZENE